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Rückblick der Fachtagung 2008

Die schönsten Momente der Fachtagung haben wir für Sie festgehalten.

Programm Montag 13.10.2008

08:50-09:15Einlass, Check-in
09:15-09:30Begrüßung
Ralf Wesuls, Ludger Brinker
09:30-10:15Deeskalation bei selbstverletzendem Verhalten:
Verständnis der Ursachen und Beweggründe als Voraussetzung für eine hilfreiche Kommunikation

Christine Nößner

Selbstverletzendes Verhalten zu deeskalieren ist eine besonders große Herausforderung. Viel zu oft lässt uns die eigene Hilflosigkeit zu unpassenden Maßnahmen greifen. Dieser Vortrag gibt einen Überblick über die Häufigkeit und die unterschiedlichen Formen von selbstverletzendem Verhalten. Die spannende Frage nach einer stimmigen Erklärung führt zu verschiedenen Möglichkeiten, wie selbstverletzendes Verhalten deeskaliert bzw. gemindert werden kann.

10:15-11:00Verbale Deeskalation von Patienten oder Angehörigen bei Krisensituationen in Krankenhäusern
Robert Geißler, Angelika Merz

In Krankenhäusern kommen Patienten oder Angehörige immer wieder in verschiedenste Extremsituationen mit starken Emotionen (Angst, Panik, Schmerz, Trauer, Wut, Hilflosigkeit, Verzweiflung). Solche Situationen mit heftigsten Stress- und Erregungszuständen enden unbegleitet häufig in „aggressiven“ Verhaltensweisen. Im Vortrag werden Möglichkeiten dargestellt, in verschiedenen Stadien eines Krisengeschehens deeskalierend auf Menschen in starker innerer Not einwirken zu können.

11:00-11:30Pause
11:30-12:15Verbale Deeskalationsmöglichkeiten bei verwirrten und wahnhaften Patienten durch die Methode der Prä-Therapie nach Garry Prouty
Ingeborg Thurner-Dierolf

Die Prä-Therapie basiert auf den Grundlagen der personenzentrierten Gesprächsführung nach Carl Rogers und kann erfolgreich in den Phasen der Kontaktaufnahme und des Beziehungsaufbaus zu verwirrten oder wahnhaften Patienten eingesetzt werden. Sogenannte Kontaktreflektionen ermöglichen dem Patienten, aus seinem inneren Erleben in die äußere Realität zu finden, die er mit dem Gesprächsführenden teilen kann. Auf dieser Basis gemeinsam erfahrbarer Realitäten bauen weitere Deeskalationsmöglichkeiten auf.

12:15-13:00„Das Kind und der Brunnen“:
Präventions-und Interventionsmöglichkeiten im Gruppenkontext

Bernd Anlauf

Es werden ausgesuchte Handlungskonzepte in pädagogischen Gruppensettings vorgestellt, die einen Beitrag zur Verminderung aggressiver Verhaltensweisen von Patienten oder Klienten leisten können und damit präventiv wirken. Konzeptelemente und methodische Versatzstücke des Anti-Aggressivitäts-Trainings (AAT®), des Coolness-Trainings (CT®) und des Gruppentrainings Sozialer Kompetenz (GSK®) werden auf ihre Verwertbarkeit für präventives deeskalierendes Arbeiten hin untersucht und dargestellt.

13:00-14:00Mittagspause
14:00-16:00Workshops:
W 1-Deeskalationsmöglichkeiten von dissozialen Patienten
Christian Staats

Nach einer theoretischen Einführung zur Psychopathologie diskutieren die Teilnehmer im Sinne eines Erfahrungsaustauschs günstige Verhaltensweisen und Probleme im Umgang mit dissozialen Patienten. Ziel ist es, deeskalierende Handlungsstrategien zu entwerfen und in Praxissimulationen zu erproben

W 2-Deeskalation bei selbstverletzendem Verhalten
Christine Nößner

Die Teilnehmer erhalten die Gelegenheit, eigene Erfahrungen im Umgang mit betreuten Menschen mit selbstverletzenden Verhaltensweisen darzustellen. Gemeinsam werden die Beobachtungen und Problembeschreibungen analysiert, um eine passende Erklärung und ein Verständnis zu finden, aus dem sich Wege für eine Deeskalation ergeben. Dabei wird zwischen kurzfristigen Notfallmaßnahmen (DS IV) und einem langfristigen, therapeutischen Vorgehen unterschieden (DS VII)

W 3-Kommunikationsprobleme und Lösungsansätze bei Patienten unterschiedlicher kultureller Herkunft
Dr. Anni Peller

Angespannte Situationen treten sehr häufig mit Patienten oder Angehörigen anderer kultureller Herkunft auf. Die Ursachen hierfür werden benannt und kulturell bedingte Kommunikationshindernisse und deren Folgen identifiziert. Die Teilnehmer werden in verschiedenen Übungen sensibilisiert, wie präventiv kultursensibel gearbeitet bzw. in problematischen Situationen deeskaliert werden kann.

W 4-Deeskalation von intoxikierten Patienten, Schwerpunkt Alkoholintoxikation 
Gerd Böhner, Angelika Merz

Gibt es spezielle Deeskalationstechniken für intoxikierte Patienten/Klienten? Mit dieser Fragestellung befasst sich dieser Work-shop: es werden Informationen zum Krankheitsbild und daraus resultierende Besonderheiten bei der Deeskalation vorgestellt. Ergebnisse aus Mitarbeiterbefragungen werden präsentiert und im praktischen Erfahrungsaustausch mit den Teilnehmern weiterentwickelt.

W 5-Verbale Deeskalation von Patienten oder Angehörigen bei Krisensituationen in Krankenhäusern 
Robert Geißler, Ingrid Weilbacher

In Rollenspielen werden Situationen aus der Praxis dargestellt, in denen die verschiedenen Möglichkeiten der Deeskalation in Krisensituationen zur Anwendung kommen können.

W 6-Verbale Deeskalation von verwirrten oder wahnhaften Patienten durch die Methode der Prä-Therapie nach Garry Prouty
Ingeborg Thurner-Dierolf

Im Work-shop wird die Methodik der Prä-Therapie mit ihren Möglichkeiten der Deeskalation in den Kontext von Alltagssituationen mit verwirrten oder wahnhaften Patienten gesetzt. In Rollenspielen und Trainingssequenzen wird die Methodik erfahrbar gemacht.

W 7-Kleine Dinge – große Wirkung. Aggressionsvermindernde Milieugestaltung in der Psychiatrie 
Christian Külzer

In diesem Workshop soll erarbeitet werden, wie man durch das Stationsmilieu gestalterisch und strukturell deeskalierend auf Patienten einwirken kann.

W 8-Präventions-und Interventionsmöglichkeiten im Gruppenkontext
Bernd Anlauf

In Praxisbeispielen werden die Prinzipien der Präventions-und Interventionsmöglichkeiten pädagogischer Gruppensettings erfahrbar gemacht. Die Teilnehmer des work-shops bilden dabei die aktive Bezugsgruppe für die praktische Umsetzung der im Vortrag vorgestellten Konzeptelemente.

W 9-Deeskalation bei Menschen mit schweren geistigen bzw. Mehrfachbehinderungen 
Silvia Eltrich, Sybille Kloska, Elisabeth Stellmann

In einem 10-15 minütigen Impulsvortrag werden „Pacing“ und „Leading“ als Deeskalationstechniken unter Berücksichtigung des Entwicklungsstandes und der Biographie des Betreuten vorgestellt. Im Erfahrungsaustausch werden Möglichkeiten und Chancen der Umsetzung im Alltag erarbeitet und reflektiert.

W 10-Kunsteffekte durch Pseudoreaktionen von Teilnehmern bei Körperinterventionstechniken 
Michael Kautz, Uwe Pester

Es werden Schwierigkeiten bei der Vermittlung von Interventionstechniken in Trainings durch unrealistische Reaktionen von Teilnehmern dargestellt. Durch Erklärungen über realistische Aktionen und Reaktionen bekommt der Work-shop Teilnehmer Hilfestellungen und Tipps für die Praxis zur Bewältigung solcher Situationen.

W 11-Lösungsorientierte Gesprächsführungstechniken nach erfolgter verbaler Deeskalation
Ralf Wesuls

Der Abschluss einer verbalen Deeskalation besteht meist darin, mit dem Patienten/Klienten Lösungen für Probleme, Konflikte oder Gefühlszustände zu finden. Der Work-shop vermittelt einige dieser Gesprächstechniken aus der klientenzentrierten Gesprächsführung und aus den systemischen Ansätzen in Theorie und Praxis.

W 12-Verminderung aggressionsauslösender Reize in der Forensik
Peter Kraus

Die Gestaltung eines aggressionsvermindernden Settings in der Forensik ist eine große Herausforderung. Am Beispiel von Maßnahmen in der Forensik Regensburg werden Möglichkeiten dazu aufgezeigt und durch Erfahrungsberichte anderer Work-shop Teilnehmer erweitert.

16:00-16:30Pause 
16:30-17:00Von der Notwendigkeit der Schulung von Führungskräften und Mitarbeitern in kollegialer Ersthilfe und im Umgang mit Übergriffsopfern
Ralf Wesuls

Basierend auf den Ergebnissen der Studie „Patientenübergriffe – Psychische Folgen für Mitarbeiter“ von Priv. Doz. Dr. Richter (vorgestellt auf der Fachtagung 2007) wird dargestellt, wie groß der Einfluss des Verhaltens von Führungskräften und Kollegen auf die Traumaentwicklung eines Übergriffsopfers ist. Daraus wird die Notwendigkeit von Schulungsmaßnahmen abgeleitet, Konzepte und Projektdesigns werden vorgestellt.

17:00-17:30Der ewige Tanz der Geschlechter
Thomas Heinzmann, Beatrix Burgsthaler

In einer choreographierten Kampfkunstvorführung werden die Polaritäten und Gefühlsdramen zwischen den Geschlechtern wie Annäherung und Vermeidung, Harmonie und Streit sowie Liebe und Hass eskalierend und deeskalierend in amüsanter und sportlicher Weise dargestellt

ab 18:00Fachtagungs-Treff in Stoll´s Kaffeehaus
Café Stoll, Heidelbergerstr. 61, Wiesloch

Das gesamte, gemütlich eingerichtete Café steht uns an diesem Abend als Trainer-Treff und zum gemütlichen Beisammensein aller Fachtagungsteilnehmer zur Verfügung.
Special Guest: Thomas Böhme, Leadsänger der Gruppe „Skip Intro“ singt Auszüge aus seinem Repertoire von Joe Cocker, Ray Charles, Procol Harum u.a.

 

Programm Dienstag 14.10.2008

08:00-09:00Einlass, Check-in
09:00-09:45Informationsblock für ProDeMa®-Trainer
Ralf Wesuls, Gerd Weissenberger

- Zahlen, Daten, Fakten, News 
- Informationen zum Trainer-Login und zum Trainer-Forum 
- Veränderungen in den Ausbildungen 
- Vorstellung der Ausbildung im Kinder-und Jugendbereich 
- Neukonzeption der Deeskalationsstufe VII 
- Kick-off der Evaluationsstudien: Studiendesigns und Informationen 
- ENTMA-Europäisches Netzwerk: Weiterentwicklung eines deutschen Dachverbands 
- Ausblick und Fortbildungsangebote für 2009

09:45-10:15ProDeMa®-Studie 2007:
Gefährdung von Ärzten durch aggressive Patientenverhaltensweisen

Ralf Wesuls

Aus der Studie „Gefährdung am Arbeitsplatz durch aggressive Verhaltensweisen von Patienten und Bewohnern“ (vorgestellt auf der Fachtagung 2007) werden wesentliche Ergebnisse für alle Berufsgruppen nochmals im Überblick dargestellt. Die Gefährdung der Berufsgruppe der Ärzte wird anhand von 98 ausgewerteten Fragebögen gesondert und vertiefend betrachtet.

10:15-10:45Pause
10:45-11:45Gewalt und Zwang in psychiatrischen Einrichtungen:
Aktuelle Problemstellungen für Praxis und Qualitätssicherung

Prof. Dr. Tilman Steinert

Der Umgang mit Gewalt und Zwang ist ein Kernproblem psychiatrischer Einrichtungen sowohl im Hinblick auf die Sicherheit von MitarbeiterInnen als auch im Hinblick auf einen menschenwürdigen Umgang mit PatientInnen bzw. KlientInnen. Ein zeitgemäßer Umgang mit dieser Problematik ist daher ein wichtiges Qualitätsmerkmal, das zugleich kritischen Überprüfungen in ethischer Hinsicht standhalten muss. Probleme und zeitgemäße Lösungsansätze werden aufgezeigt, Daten aus Klinikvergleichen des In-und Auslands werden präsentiert.

11:45-12:30Medikamentöse Behandlungsmöglichkeiten aggressiven Verhaltens
Jan Bergk

Die derzeit verfügbare wissenschaftliche Evidenz verschiedener medikamentöser Behandlungsansätze wird vorgestellt. Vor- und Nachteile werden diskutiert und Möglichkeiten der Deeskalation im Rahmen der Medikamentengabe werden aufgezeigt.

12:30-13:30Mittagspause 
13:30-15:30Workshops:
W 1 bis W 12, vgl. Programm 13.10.08
15:30-16:00Abschlussrede:
„Traktat über die Gewalt“

Ralf Wesuls

Philosophische und soziologische Betrachtungen von Wolfgang Sofsky über die gesellschaftliche Entstehung von Gewalt in Ordnungssystemen, über die Zusammenhänge von Angst, Macht, Schmerz und Gewalt und über das Paradoxon einer „kulturstiftenden“ Gewalt werden referiert. Parallelen über die Entstehung von Gewalt in Institutionen des Gesundheitssystems sind dabei unvermeidbar und gewollt. Systemisches und deeskalierendes Denken erscheinen als einzige Auswege aus einer gesellschaftlichen Katastrophe.

16:00Danksagungen
Ende der Fachtagung
Ausklang bei Kaffee und Kuchen