Ärger und Wut - Gewalt und Aggression

Emotion

Ärger und Wut sind menschliche Emotionen. Für die Handlung eines Menschen ist es entscheidend, wie er mit Ärger oder Wut umgehen kann und über welche kognitiven, sprachlichen und psychischen Verarbeitungsmöglichkeiten er verfügt. Fehlen die Möglichkeiten Ärger oder Wut nach einer gewissen Zeit zu verarbeiten ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass sich diese Emotionen in Aggression verwandeln.

Verhalten

Aggression bezeichnet ein Verhalten. Ziel aggressiver Verhaltensweisen ist die aktive Beschädigung von Gegenständen oder Verletzung von Individuen. Aggressives Verhalten hat viele Erscheinungsformen und unterschiedlichste Intentionen.

Handlung

Gewalt bezeichnet eine Handlung. Es wird von Gewalt gesprochen, wenn das menschliche Bedürfnis nach psychischer und physischer Unversehrtheit missachtet wird. Jede tatsächliche Aggression ist immer auch Gewalt, umgekehrt ist nicht jede Gewaltanwendung immer auch Aggression.

Gewalt und Aggression im Gesundheits- und Sozialwesen

In nahezu jedem menschlichen System entstehen irgendwann aggressive Verhaltensweisen aus der Dynamik zwischenmenschlicher Interaktionen. Um den bestmöglichen Umgang mit aggressiven Verhaltensweisen zu lernen, besteht im System des Gesundheits- und Sozialwesens eine besondere Notwendigkeit sich gründlich mit der Entstehung von Gewalt und Aggression auseinander zu setzen.


Das ProDeMa®-Stufenmodell zur Deeskalation von Gewalt und Aggression

Das Stufenmodell der Deeskalation stellt anschaulich dar, auf welchen unterschiedlichen Ebenen die Deeskalation oder Vermeidung von Gewalt und Aggression stattfinden kann. Dabei greifen sämtliche Deeskalationsstufen in ihrer Wirkung ineinander und müssen deshalb alle bei der Implementierung und Schulung in Institutionen berücksichtigt werden.

Primärprävention

Deeskalationsstufe 1
Verhinderung der Entstehung von Gewalt und Aggression

Auf dieser Ebene beschäftigen wir uns vorrangig mit den äußeren Rahmenbedingungen, die auf die Entstehung von Gewalt- und Aggressionen bei Patienten/Betreuten, Bewohnern und Klienten entscheidenden Einfluss haben, d.h. es werden alle aggressionsauslösenden Reize reflektiert. Hierzu gehören z.B. die Analyse der Stationsregeln, Hausordnungen, der Umgang von Personal mit Patienten/Betreuten, die Zumutung von Wartezeiten, Überforderungssituationen etc.

Deeskalationsstufe 2
Veränderung der Bewertungsprozesse aggressiver Verhaltensweisen

Persönliche Bewertungsprozesse beim Umgang mit aggressiven Patienten/Betreuten entscheiden über die Reaktion, die zur Eskalation oder Deeskalation der Situation führen kann. Auf dieser Ebene reflektieren wir unsere eigenen Wahrnehmungs- und Bewertungssysteme und lernen, uns von der momentanen Befindlichkeit des Patienten/Betreuten und seinen verbalen Aggressionen abzugrenzen. Zusätzlich reflektieren wir die Entstehung unseres eigenen Aggressionspotentials und erarbeiten eigene Umgangs- und Bewältigungsmöglichkeiten von Wut- und Ärgergefühlen.

Deeskalationsstufe 3
Verständnis der Ursachen und Beweggründe aggressiver Verhaltensweisen

Aggressive Verhaltensweisen eines Menschen haben immer eine Ursache (Auslöser) und einen Beweggrund (Motiv, Intention). Die Kenntnis und das tiefere Verständnis dieser Ursachen und Beweggründe ist Voraussetzung dafür, deeskalierend auf einen Patienten/Betreuten eingehen zu können. Durch die Wahrnehmung seiner aktuellen Bedürfnisse, Probleme und Gefühle hinter den aggressiven Verhaltensweisen können wir mit ihm in Kontakt kommen, ihn verstehen und beruhigen, ihm und uns selbst helfen, die Situation zu meistern und eine weitere Eskalation zu verhindern.

 

Sekundärprävention

Deeskalationsstufe 4
Kommunikative Deeskalationstechniken im direkten Umgang mit hochgespannten Patienten/Betreuten

Eine Deeskalation ist dann erfolgreich, wenn die aggressive Spannung und innere Not des Patienten/Betreuten abnimmt und es gelingt, ein klärendes oder entlastendes Gespräch mit ihm zu führen, indem Lösungen für seine aktuellen Probleme und Befindlichkeiten gefunden werden. Welche Art der Kommunikation und Gesprächsführung ist förderlich im direkten Umgang mit hochgespannten Patienten/Betreuten? Wie kann ich eine akute Eskalation verbal deeskalieren? Wie verhalte ich mich, wenn Brachialaggression kurz vor dem Ausbruch steht? Mit diesen und anderen Fragen beschäftigen wir uns auf dieser Ebene der Deeskalation.

Deeskalationsstufe 5
Patientenschonende Abwehr- und Fluchttechniken

Die Anwendung körperlicher Abwehrtechniken sollte das letzte Mittel der Gefahrenabwehr sein. Sie sollten nur angewendet werden, wenn alle anderen Möglichkeiten der Deeskalation ausgeschöpft sind. Wir lernen dafür speziell entwickelte patientengerechte, körperschonende und verletzungsfreie Techniken, die Unfallrisiken auf beiden Seiten auf ein Minimum reduzieren.

Deeskalationsstufe 6
Patientenschonende Begleit-, Halte-, Immobilisations- und Fixierungstechniken

In vielen Situationen müssen Patienten/Betreute bei Selbst- oder Fremdgefährdung festgehalten oder immobilisiert werden, um weder sich selbst noch andere Personen zu gefährden. Auch die Begleitung einer verwirrten betagten Dame oder eines alkoholisierten Patienten erfordert große Vorsicht und entsprechendes Knowhow. Unsere Begleit-, Halte- und Immobilisationstechniken werden seit Jahren erfolgreich angewendet und sind flexibel hinsichtlich unterschiedlicher Patientenklientel oder Situationsgegebenheit. Durch die Integration der verbalen Deeskalation in Halte- und Immobilisationstechniken haben wir mit dem Vier-Stufen-Immobilisationskonzept (4-SIK) Fixierungen annähernd überflüssig gemacht. Studien belegen eine über 70%ige Reduzierung der Fixierungsdauer und -häufigkeit durch die Anwendung dieser Methode.

 

Tertiärprävention

Deeskalationsstufe 7
Präventive Möglichkeiten nach aggressiven Vorfällen

Durch Übergriffe oder Sonstige Ereignisse werden Mitarbeiter traumatisiert und brauchen eine Kollegiale Ersthilfe und Nachsorge, um in dem Schutz ihrer Kollegen das Geschehene verarbeiten zu können. Je besser die Kollegiale Ersthilfe und die Nachsorge in einer Institution organisiert ist desto mehr werden Posttraumatische Belastungssyndrome mit langen Krankheitsausfällen und starkem Leid bei den Betroffenen vermieden.
Geschehen Übergriffe oder sonstige aggressive Vorfälle haben die betroffenen Mitarbeiter den Bedarf einer Professionellen Nachbearbeitung mit dem Ziel der Tertiärprävention. Die systemische Ansicht ermöglicht es, alle am Geschehen beteiligte Personen oder Faktoren zu reflektieren, um zukünftige ähnliche Vorfälle vermeiden zu können.


"Gute Mittel an die Hand zu bekommen ist in unserem Beruf sehr wichtig. Über diese Mittel verfügt ProDeMa in Theorie und Praxis. Das hat Substanz."

Thomas Hoveling, Jakob-Muth-Schule Meppen

"Die Lerninhalte des ProDeMa-Trainer-Kurses sind sehr gut aufeinander abgestimmt und absolut praxisnah. Die Dozenten empfand ich als sehr kompetent, überzeugend und immer humorvoll. Durch diese angenehme Lernatmosphäre konnte ich viel lernen und freue mich nun auf die Umsetzung und Festigung meines neuen Wissens!"

Iris Unser, Charité Berlin

"Dieser Kurs ist eine hervorragende Investition für einen selbst und für den Arbeitgeber . . . professionelles Training!"

Dr. C. Börner, Zentrale Notaufnahme, Ltd. Arzt, Bonifatius-Hospital Lingen

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Benny Herfurth, Salus GmbH Lichtspringe

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Eduard Weil, Gesundheitsamt Darmstadt

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Laura Görtz, St. Rochus-Hospital, Telgte