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Das ProDeMa®-Stufenmodell zur Deeskalation von Gewalt und Aggression

Das Stufenmodell der Deeskalation stellt anschaulich dar, auf welchen unterschiedlichen Ebenen die Deeskalation oder Vermeidung von Gewalt und Aggression stattfinden kann. Dabei greifen sämtliche Deeskalationsstufen in ihrer Wirkung ineinander und müssen deshalb alle bei der Implementierung und Schulung in Institutionen berücksichtigt werden.

 

 

 

 

Deeskalationsstufe I:
Verhinderung der Entstehung von Gewalt und Aggression
(Primärprävention)

Auf dieser Ebene beschäftigen wir uns vorrangig mit den äußeren Rahmenbedingungen, die auf die Entstehung von Gewalt- und Aggressionen bei Patienten/Betreuten, Bewohnern und Klienten entscheidenden Einfluss haben, d.h. es werden alle aggressionsauslösenden Reize reflektiert. Hierzu gehören z.B. die Analyse der Stationsregeln, Hausordnungen, der Umgang von Personal mit Patienten/Betreuten, die Zumutung von Wartezeiten, Überforderungssituationen etc.

 

 

Deeskalationsstufe II:
Veränderung der Bewertungsprozesse aggressiver Verhaltensweisen

Persönliche Bewertungsprozesse beim Umgang mit aggressiven Patienten/Betreuten entscheiden über die Reaktion, die zur Eskalation oder Deeskalation der Situation führen kann. Auf dieser Ebene reflektieren wir unsere eigenen Wahrnehmungs- und Bewertungssysteme und lernen, uns von der momentanen Befindlichkeit des Patienten/Betreuten und seinen verbalen Aggressionen abzugrenzen. Zusätzlich reflektieren wir die Entstehung unseres eigenen Aggressionspotentials und erarbeiten eigene Umgangs- und Bewältigungsmöglichkeiten von Wut- und Ärgergefühlen.

 

Deeskalationsstufe III:
Verständnis der Ursachen und Beweggründe aggressiver Verhaltensweisen

Aggressive Verhaltensweisen eines Menschen haben immer eine Ursache (Auslöser) und einen Beweggrund (Motiv, Intention). Die Kenntnis und das tiefere Verständnis dieser Ursachen und Beweggründe ist Voraussetzung dafür, deeskalierend auf einen Patienten/Betreuten eingehen zu können. Durch die Wahrnehmung seiner aktuellen Bedürfnisse, Probleme und Gefühle hinter den aggressiven Verhaltensweisen können wir mit ihm in Kontakt kommen, ihn verstehen und beruhigen, ihm und uns selbst helfen, die Situation zu meistern und eine weitere Eskalation zu verhindern.

 

Deeskalationsstufe IV:
Kommunikative Deeskalationstechniken im direkten Umgang mit hochgespannten Patienten/Betreuten
(Sekundärprävention)

Eine Deeskalation ist dann erfolgreich, wenn die aggressive Spannung und innere Not des Patienten/Betreuten abnimmt und es gelingt, ein klärendes oder entlastendes Gespräch mit ihm zu führen, indem Lösungen für seine aktuellen Probleme und Befindlichkeiten gefunden werden.

Welche Art der Kommunikation und Gesprächsführung ist förderlich im direkten Umgang mit hochgespannten Patienten/Betreuten? Wie kann ich eine akute Eskalation verbal deeskalieren? Wie verhalte ich mich, wenn Brachialaggression kurz vor dem Ausbruch steht? Mit diesen und anderen Fragen beschäftigen wir uns auf dieser Ebene der Deeskalation.

 

Deeskalationsstufe V:
Patientenschonende Abwehr- und Fluchttechniken

Die Anwendung körperlicher Abwehrtechniken sollte das letzte Mittel der Gefahrenabwehr sein. Sie sollten nur angewendet werden, wenn alle anderen Möglichkeiten der Deeskalation ausgeschöpft sind.

Wir lernen dafür speziell entwickelte patientengerechte, körperschonende und verletzungsfreie Techniken, die Unfallrisiken auf beiden Seiten auf ein Minimum reduzieren.

 

 

 

Deeskalationsstufe VI:
Patientenschonende Begleit-, Halte-, Immobilisations- und Fixierungstechniken

In vielen Situationen müssen Patienten/Betreute bei Selbst- oder Fremdgefährdung festgehalten oder immobilisiert werden, um weder sich selbst noch andere Personen zu gefährden. Auch die Begleitung einer verwirrten betagten Dame oder eines alkoholisierten Patienten erfordert große Vorsicht und entsprechendes Knowhow. Unsere Begleit-, Halte- und Immobilsationstechniken werden seit Jahren erfolgreich angewendet und sind flexibel hinsichtlich unterschiedlicher Patientenklientel oder Situationsgegebenheit.

Durch die Integration der verbalen Deeskalation in Halte- und Immobilisationstechniken haben wir mit dem Vier-Stufen-Immobilisationskonzept (4-SIK) Fixierungen annähernd überflüssig gemacht. Studien belegen eine über 70%ige Reduzierung der Fixierungsdauer und –häufigkeit durch die Anwendung dieser Methode.

Deeskalationsstufe VII:
Präventive Möglichkeiten nach aggressiven Vorfällen
(Tertiärprävention)

Durch Übergriffe oder Sonstige Ereignisse werden Mitarbeiter traumatisiert und brauchen eine Kollegiale Ersthilfe und Nachsorge, um in dem Schutz ihrer Kollegen das Geschehene verarbeiten zu können. Je besser die Kollegiale Ersthilfe und die Nachsorge in einer Institution organisiert ist, desto mehr werden Posttraumatische Belastungssyndrome mit langen Krankheitsausfällen und starkem Leid bei den Betroffenen vermieden.

Geschehen Übergriffe oder sonstige aggressive Vorfälle haben die betroffenen Mitarbeiter den Bedarf einer Professionellen Nachbearbeitung mit dem Ziel der Tertiärprävention. Die systemische Ansicht ermöglicht es, alle am Geschehen beteiligte Personen oder Faktoren zu reflektieren, um zukünftige ähnliche Vorfälle vermeiden zu können.

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