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Fachtagung 2011

Durch die Mitwirkung zahlreicher ausgebildeter Trainer und deren Fachkompetenzen sind im Laufe der letzten sieben Jahre spezialisierte Ausbildungen für jede Institution im Gesundheitswesen entstanden (Psychiatrie, Forensik, Krankenhäuser, Heime, Institutionen mit behinderten Menschen, Kinder- und Jugendeinrichtungen etc.). Diesen Wissens- und Erfahrungsreichtum sowie neueste Erkenntnisse und Weiterentwicklungen zur Thematik wollen wir unseren TrainerInnen und dem interessierten Fachpublikum in der Fachtagung weitergeben.

Im Folgenden finden Sie zusätzliche Informationen und die Vortragsfolien zu den einzelnen Programmpunkten.

 

 

 

Gesamtauswertung Feedbackbögen von 87 Teilnehmer

Die Gesamtauswertung der Feedbackbögen von 87 Teilnehmern ergaben folgende Ergebnisse:

Wie hat Ihnen die Veranstaltung insgesamt gefallen?

auf einer Skala von 1 bis 5 ("sehr gut" bis "gar nicht") wurde die  Durchschnittsnote 1,85 (gut) ermittelt.

Wie haben Sie die Qualität der Fachtagungsbeiträge empfunden?

auf einer Skala von 1 bis 5 (" sehr hohe Qualität" bis "schlecht") wurde bei dieser Frage die die Durchschnittsnote 1,91 (hohe Qualität) ermittelt.

Wie innovativ fanden Sie die Vorträge?Haben Sie Neues für sich erfahren?

auf einer Skala von 1 bis 5 ("sehr innovativ" bis "nichts Neues") wurde bei dieser Frage die die Durchschnittsnote 2,41 (viele neue Aspekte bis teilweise innovativ) ermittelt.

 

Im Folgenden noch einige Stimmen aus dem Resümee:

  • sehr anregend, niveauvoll und gleichzeitig unterhaltsam
  • Ich konnte viele Anregungen/Denkanstöße/Impulse mitnehmen, die ich weiter vertiefen/anwenden möchte.
  • Eine sehr gewinnbringende, lebendige, impulsreiche fachlich gute und mit viel, viel Mühe und Sorgfalt vorbereitete Fachtagung. Danke!
  • Referenten waren top, Themen gut gewählt.
  • Sehr professionell. Gut war auch, das Kollegen aus Österreich und der Schweiz da waren. Fachlich gutes Niveau, Dozenten waren offen für Ansprache auch zwischen den Vorträgen, klasse Austausch mit den Teilnehmer/innen

Programm Montag 17.10.2011

Zur diesjährigen Fachtagung haben wir Dank unseres Photographen Bernd Pfeifer so viele Impressionen erhalten, dass wir uns entschlossen haben, diese in zwei Teile zu spalten. Hier gelangen Sie zu den Photos des ersten Tages.

09:00 Begrüßung

Ralf Wesuls, UKBW Wolfgang Kurz

 

 

 

 

09:15 Und plötzlich ist es Gewalt: Verstehen, begegnen, verringern

Prof. Dr. Dr. R. Hirsch

Das Auftreten von Gewalt in Institutionen ist nicht so selten, wie mancher glaubt. Mit kleinen Grausamkeiten kann sie beginnen und bei Tätlichkeiten bis zu Mord enden. Gerade in Institutionen, die alte Menschen betreuen, versorgen und behandeln sind Mitarbeiter besonders gefordert. Vielfältige Missverständnisse, Fehlinterpretationen und -handlungen, Ängste und Hilflosigkeit von alten Menschen und den Mitarbeitern der Institutionen können den Weg zur Gewalt bahnen und sich interaktiv verstärken. Frühzeitiges Wahrnehmen von kritischen Situationen und Lernen, wie man mit diesen umgeht, ist Voraussetzung zu einem fachlich versierten und humanen Umgang mit alten Menschen. Notwendig ist, auf eigene Gefühle sowie Grenzen zu achten und sich Unterstützung zu holen. Schuldgefühle und -zuweisungen sowie übertriebenes Fürsorgeverhalten helfen wenig weiter. Allerdings führen manche strukturellen Gegebenheiten zur Gleichgültigkeit und der Gefahr, selbst innerlich zu verrohen und zu resignieren. Diese Umstände zu klären und auf Veränderung hin zu wirken, fordert oft Zivilcourage.

 

10:15 Evaluationsstudie: 4 Stufenkonzept der Immobilisation zur Verhinderung/ Verminderung zeitaufwendiger und patientenbelastender Fixierungen

Dr. Kammerer

 

10:35 Welche Erfahrungen machten die Mitarbeiter und die Patienten

Thomas Heinzmann

4-Stufen Immobilisationskonzept (4SIK): Erfahrungen abseits der Studienergebnisse

  • Was konnte unabhängig der wissenschaftlichen subjektiv erfahren und erlebt werden?
  • Was wurde alles im Vorfeld verändert um das Projekt positiv zu unterstützen => Deeskalationsstufe 1  (welche Aggressionsauslösende Reize wurden reduziert)
  • Welche Erfahrungen machten die Mitarbeiter und die Patienten
  • Was hat sich alles durch die neue Vorgehensweise im Multiprofessionellen Team verändert:  Grundhaltung, Stationsatmosphäre, Umgang miteinander, Compliance usw.

10:45 Pause

11:15 Deeskalation als Chance zur Entwicklung der eigenen Persönlichkeit

Christine Nössner

Um in Konfliktsituationen erfolgreich deeskalierend wirken zu können, bedarf es eines grundlegenden Verständnisses für mein Gegenüber. Manche Menschen mit Behinderung bringen uns jedoch an die Grenzen unserer Toleranz. Besonders bei herausforderndem Verhalten besteht die Gefahr, sich persönlich angegriffen zu fühlen oder dies als unverschämt zu empfinden. Unsere eigenes Wertesystem und die eigenen Erziehungserfahrungen bewirken Abwertung, Ekelgefühle, Wut oder Rückzug. Der Aufbau einer wohlwollenden Beziehung bei der Betreuung droht zu scheitern. In diesem Vortrag wird dargestellt, welche Chance darin liegt, solche inneren Widersprüche zu erkennen und anzunehmen. Es bietet die Möglichkeit unsere eigene Persönlichkeit zu erweitern, flexibler und vielfältiger zu werden. Dies ist ein entscheidender Faktor, um die Freude und Motivation bei der Arbeit in der Behindertenhilfe aufrecht zu erhalten.

 

 

12:15 Aggressionsverständnis und Aggressionsmanagement – Entwicklungen in Europa

Gernot Walter

Das Verständnis von der Entstehung und dem Verlauf von aggressiven Verhaltensweisen und Aggressionszwischenfällen im Gesundheitswesen hat sich in den letzten Jahrzehnten deutlich gewandelt. Von der vorwiegend personenbezogenen Erklärung erfolgte eine Entwicklung hin zu einem multidimensionalen und multifaktoriellen Verständnis. Entsprechen haben sich auch die Bewältigungsstrategien gewandelt und weiterentwickelt, von vornehmlicher Kontrolle zu integrierten Ansätzen mir präventivem Schwerpunkt.

 

 

 

 

 

12:45 Mittagspause

13:45 Zivilcourage bei Gewalt im öffentlichem Raum

Michael Kautz

In den letzten Jahren haben viele spektakuläre und exzessive Gewalttaten das Interesse der Bürger und Medien geweckt, vor allem handelte es sich dabei um Übergriffe im öffentlichen Raum. In diesem Vortrag möchten wir Ihnen das Konzept "Helfen-aber wie?" vorstellen, in denen Bürger niederschwellig geschult werden, gewaltfrei und opferzentriert bei solchen Taten und Bedrohungen zu intervenieren, bzw. sensibel dafür zu werden, wann ein solches Einschreiten eine unabwägbare Gefahr bedeutet. In den vorgestellten Trainingsangeboten werden mit den Teilnehmerinnen in Rollenspielen Handlungsmöglichkeiten geübt, mit denen sie - unter Berücksichtigung ihrer persönlichen Fähigkeiten und an die konkrete Situation angepasst - Hilfe leisten können, ohne sich selbst zu gefährden. Oberstes Ziel ist hierbei die Unversehrtheit des engagierten Bürgers!

Zivilcourage mit Macht

youtu.be/j_4Z3xvXa68

 

Zivilcourage Bus (www.zara.or.at)

youtu.be/2sJ_obMqFvM

 

Zivilcourage Flugzeug

youtu.be/sfBltxG6ni8

 

Zivilcourage Park

youtu.be/__iGBM4apY4

 

 

14:15 Professioneller Umgang mit Wertekonflikten

Institut Dialog Ethik, Dr. Markus Breuer, Olivier Fricker

Über hocherregte, aggressive oder eskalierende Situationen hinaus stellt sich für Mitarbeiter und Einrichtungen die Frage nach dem Umgang mit Wertekonflikten, wie sie in vielen anderen Situationen auftauchen, z.B. bei Zwangsmaßnahmen, beim Umgang mit der Patientenautonomie oder auch bei der Fokussierung auf die Wirtschaftlichkeit in den Organisationen des Gesundheits- und Sozialwesens. In diesen hochemotionalen Situationen, in denen unterschiedliche Werte, Einstellungen, Ängste und Zwänge aufeinander treffen, braucht es verantwortungsvolle Entscheidungsprozesse. Anhand eines Fallbeispieles wird Einblick in die systematische ethische Reflexion gegeben.

 

 

 

15:00-17:00 Workshops

Dieses Jahr werden wieder zahlreiche Workshops angeboten. Details hierzu finden Sie auf dieser Seite ganz unten oder im Fachtagungsflyer.

17:15 Lachyoga

Stuttgarter Lachschule, Susanne Klaus

Kontaktdaten

 

 

 

17:45 Organisatorisches zum Fachtagungstreff

ab 18:30 Fachtagungs-Treff im Schmidt`s Schlachthof

 

 

 

Programm Dienstag 18.10.2011

Zur diesjährigen Fachtagung haben wir Dank unseres Photographen Bernd Pfeifer so viele Impressionen erhalten, dass wir uns entschlossen haben, diese in zwei Teile zu spalten. Hier gelangen Sie zu den Photos des zweiten Tages.

9:00 BGW, Frau Claudia Wohlert

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

09:15 Regionale, europäische und inhaltliche Weiterentwicklungen in den verschiedenen Spezialisierungen

Ralf Wesuls

Den ausgebildeten Trainerinnen und Trainer von ProDeMa® und den anwesenden Gästen wird ein kurzer Überblick ermöglicht über die Weiterentwicklungen von ProDeMa® seit der letzten Fachtagung. Thematisiert wird die Durchführung der Regionalisierung, Europäische Entwicklungen, Weiterentwicklung bei der Qualitätssicherung, die Entwicklung neuer Spezialisierungen und ein Überblick über inhaltliche Veränderungen in den bereits etablierten Spezialisierungen.

 

 

9:30 Neue Methoden verbaler Deeskalation bei unterschiedlichen psychiatrischen Krankheitsbildern

Ralf Wesuls

Betreute Menschen brauchen – je nach ihrem psychiatrischen Krankheitsbild – spezifizierte Interventionen im deeskalierenden und präventiven Arbeiten mit ihnen. Dies gilt sowohl für unterschiedliche aggressionsauslösende Reize als auch für unterschiedliche Ursachen und Beweggründe von herausfordernden oder aggressiven Verhaltensweisen. Insbesondere gilt dies jedoch für die verbale Deeskalation, deren Methoden bei den Betreuten – je nach Erkrankung – modifiziert oder ergänzt werden muss, um erfolgreich deeskalieren zu können. Im Vortrag werden vier solcher Methoden benannt, kurz erläutert und in Life-Demonstrationen vorgeführt.

 


10:20 „Ich hab´ dir schon tausendmal gesagt…" Wertschätzender Einsatz von Regeln, Grenzen und Konsequenzen

Bernd Anlauf

Wenn Erwachsene verantwortungsvoll mit Kindern und Jugendlichen interagieren, so werden manchmal Regeln, häufiger situative Grenzsetzung und immer Konsequenzen im Sinne einer natürlichen Folge eine Rolle spielen. Der ProDeMa Fachbereichsleiter greift dieses Thema auf, da der Bereich um Regeln, Grenzen und Konsequenzen ein immenses Potential aggressionsauslösender Reize bereithält. Lebendig und praxisorientiert markiert Bernd Anlauf die für einen wertschätzenden deeskalativen Umgang mit Kindern und Jugendlichen relevanten Elemente. Er zeigt Alternativen auf zu rigiden Strafen, wie dem sprichwörtlichen „Kopf ab bis zum Knie“ und resignativen Haltungen, wie „Der macht eh, was er will“.

 

 

 

11:00 Pause

11:15 Gewalt im Spannungsfeld von Sicherheit und Freiheit

Dr. Jan Glasenapp

Gewalt vollzieht sich in aller Regel auf personeller Ebene, wobei die beteiligten Akteure auf einer Bühne stehen, die mit ihren strukturellen und gesellschaftlichen Bedingungen den Rahmen für mögliche Eskalationen (und Deeskalationen) bietet. In diesem Vortrag wird wird ein kurzer Überblick über die Komplexität von Gewalt gegeben, wobei anschließend der Schwerpunkt auf die Anforderungen an Professionelle in Gewalt-Situationen gelegt und deren emotionales Erleben fokussiert wird. Schließlich wird das Spannungsfeld von Sicherheit und Freiheit und das Konzept der Arbeit in Spannungsfeldern vorgestellt, das dabei helfen soll, in der Komplexität nicht die Orientierung zu verlieren und eigene Entscheidungen im professionellen Kontext zu reflektieren.

 

12:15 Mittagspause

13:30-15:30 Workshops

Dieses Jahr werden wieder zahlreiche Workshops angeboten. Details hierzu finden Sie auf dieser Seite ganz unten oder im Fachtagungsflyer.

15:45 Abschlussrede

Ralf Wesuls

16:15 Danksagungen

Ende der Fachtagung
Ausklang bei Kaffee und Kuchen

 

 

Workshops

W 1 Sinn und Unsinn von Sicherheitsmaßnahmen in Bezug auf Aggressionsminderung, Peter Kraus

In den letzten Jahren ist in vielen Einrichtungen, besonders in forensischen Kliniken und geschlossenen Akutpsychiatrien ein Trend zum Aufrüsten mit Sicherheitstechnik und anderen Sicherheitsmaßnahmen zu erkennen. Neu errichtete Forensiken sind kaum mehr von Hochsicherheitstrakten der Gefängnisse zu unterscheiden, manche Akutpsychiatrie wird wieder weiß und kahl. Da wir als Deeskalationstrainer durchaus mit in die Entwicklung von Sicherheitsstandards eingebunden sind, soll der Workshop dazu einladen, über das Pro und Contra einzelner Sicherheitsmaßnahmen, vor allem in Bezug auf Aggressionsminderung, Deeskalation und Beziehungsgestaltung zu diskutieren und Erfahrungen auszutauschen.

W 2 Erfahrungsbericht über das neue 4 Stufenkonzept der Immobilisation zur Verhinderung /Verminderung zeitaufwendiger und patientenbelastender Fixierungen, Thomas Heinzmann

Im Workshop werden die verschiedenen Erfahrungen und Erlebnisse im Multiprofessionellen Team und den betroffenen Patienten der Projektstation diskutiert, die während der Umsetzung dieses Projektes gesammelt werden konnten.

W 3 (Achtung: nur 17.10.)
Umgang mit selbstverletzendem Verhalten, Tine Nössner

Die Teilnehmer erhalten die Gelegenheit, eigene Erfahrungen im Umgang mit betreuten Menschen mit selbstverletzenden Verhaltensweisen darzustellen. Gemeinsam werden die Beobachtungen und Problembeschreibungen analysiert. Dabei wird zwischen kurzfristigen Notfallmaßnahmen (DS IV) und einem langfristigen therapeutischen Vorgehen unterschieden (DS VII).

W 4 (Achtung: nur 17.10.)
Umgang mit gefährlichen Gegenständen im Akut- und Aufnahmebereich,
Michael Kautz

Durch Waffen, gefährliche und waffenähnliche Gegenstände entstehen besonders in Akut- und Aufnahmesituationen riskante, unvorhersehbare Situationen, die oftmals zu einer großen Gefährdung der körperlichen Unversehrtheit beim Personal führen. Hier gilt es, besondere Sicherheitsregeln zum Selbstschutz zu beachten. In diesem Workshop wollen wir Ihnen einen Ein- und Überblick über solche Bedrohungslagen geben, sowie auf den spezifischen Umgang mit verschiedenen gefährlichen Gegenständen eingehen. Auch der institutionelle Aspekt, wie beispielsweise das Erstellen spezifischer Standards, Handlungsanweisungen, sowie die Frage der Rechtssicherheit der Mitarbeiter soll hier berücksichtigt werden.

 

W 5 Selbstmanagement, Der Stress nach dem Stress?, André Lohmann

Häufig dauert es, je nach Konstitution und persönlicher Wahrnehmung, recht lange, bis nach einer bedrohlichen Situation die „normalen“ Vitalfunktionen wieder hergestellt sind. Dabei gilt: Nach dem Stress ist vor dem Stress. Hier schaffen sowohl „uralte“ Methoden, wie die Akupressur und Chi Gung, als auch „neue“ Verfahren, wie das NLP einen wirksamen Ausweg, Situationen in ihrer unterbewussten Wirkung zu korrigieren, ohne die „Alarmglocken“ auszuschalten. „Anti-BurnOut“ für „erfahrene Burnouter“, „Angebrannte“ und Menschen, die eine solche Erfahrung gern vermeiden würden.

 

W 6 Fixationsvisite, Uwe Pester

Ziel unseres Projektes ist es die Fixierzeiten deutlich zu senken. Bei diesem Projekt haben wir den Ansatz gewählt, dass eine regelmäßige Fixiervisite stattfindet und das Ergebnis im Bezug auf weiter Fixierung bzw. Defixierung dokumentiert wird. Das Manual zeigt den Mitarbeitern Alternativen auf und es wird eine differenzierte Auswertung für die Gründe einer Defixierung bzw. Weiterfixierung für die Institution möglich. Es soll neben der Vorstellung des Projektes ein offener Austausch über das Projekt und über die eigenen Erfahrungen der Teilnehmer im Bezug auf Fixiervisiten stattfinden.

W 7 Dissozialität, Christian Staats

Chancen ( Möglichkeiten?) und Grenzen einer Deeskalation Nach einer theoretischen Einführung zur Psychopathologie diskutieren die Teilnehmer im Sinne eines Erfahrungsaustauschs günstige Verhaltensweisen und Probleme im Umgang mit dissozialen Patienten. Ziel ist es, über ein besseres Verständnis deeskalierende Handlungsstrategien zu entwerfen und in Praxissimulationen zu erproben.

Ausgefallen wegen Krankheit

W 8 Deeeskalationsmöglichkeiten im System Pflege- und Altenheim, Ingeborg Thurner-Dierolf

Die Situation für alle Beteiligten, ob Bewohner, Mitarbeiter oder Angehörige, im Pflegeheim ist von allen anderen stationären Einrichtungen zu unterscheiden. In einem Krankenhaus sind die Patienten nur zeitweise untergebracht oder sie versterben dort. Die Bewohner einer Behinderteneinrichtung waren in der Regel ihr Leben lang schon abhängig und kennen daher keine andere Lebenssituation. Für die Bewohner eines Pflegeheimes ist das meist die Endstation und zwar egal wie alt sie sind. Allein die Mischung des Klientels in einer solchen Einrichtung sorgt meist schon für Brisanz, es gibt Menschen mit Demenz in unterschiedlichen Altersstufen, es gibt oft Menschen mit einer psychiatrischen Erkrankung, Menschen mit Suchtbiografie und schwerst körperlich beeinträchtigte Menschen, alle wohnen unter einem Dach. Die Mitarbeiter verbringen mit einigen ihrer Bewohner über viele Jahre hinweg mehr Zeit als mit ihren Familienangehörigen, das schafft Probleme mit der Professionalität und den Fähigkeiten auf dem Selbstoffenbarungsohr zu hören und sich abgrenzen zu können.

W 9 Die Brøset-Gewaltcheckliste (BVC), Stephan Nölle

Die vom norwegischen Pflegeforscher Roger Almvik entwickelte Brøset Violence Checklist (BVC) wurde in der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie des Klinikum Niederberg auf der geschlossenen akutpsychiatrischen Station probeweise eingeführt, um die Wahrscheinlichkeit eines physischen Angriffs eines Patienten objektiver einschätzen zu können. Über die Erkenntnisse aus dem Probelauf soll berichtet, Erfahrungen mit anderen Nutzern der BVC ausgetauscht und ggf. andere Hilfsmittel zur Ermittlung der Wahrscheinlichkeit brachialer Übergriffe diskutiert werden.

 

W 10 Das Modell «7 Schritte Dialog» hilft Behandlungsteams, Institut Dialog Ethik, Dr. Markus Breuer, Olivier Fricker

Ethisch schwierige Entscheidungen, z.B. freiheitseinschränkende Maßnahmen, gehören zum Berufsalltag in Einrichtungen des Gesundheits- und Sozialwesen. Das Modell «7 Schritte Dialog» ist ein Instrument zur Gestaltung von Fallbesprechungen in interdisziplinären und interprofessionellen Teams. Es hilft Teams

- die jeweilige Problemstellung sorgfältig zu erfassen;
- die Problemstellung strukturiert, lösungsorientiert und effizient zu bearbeiten sowie
- zielorientiert «nach bestem Wissen und Gewissen» zu entscheiden.

Neben den Moderationsfragen beschäftigen wir uns im Workshop auch mit ‚praxisrelevantem Basiswissen zur
Ethik’, um einen Überblick über das Modell und dem zugrundeliegenden Ideen zu gewinnen.

W 11 (Achtung: nur 18.10.)
„Verstehen, aber nicht einverstanden sein“ Regeln, Grenzen und Konsequenzen in der
pädagogischen Praxis,
Bernd Anlauf

Praxisnahe Hinweise und Übungen zum erzieherisch-grenzsetzenden Auftrag in Jugendhilfe, Kinder und Jugendpsychiatrie und Schule. Fallbeispiele der Teilnehmer sind ausdrücklich erwünscht.

W 12 Gewaltfreie Kommunikation (GFK) nach Marshall B. Rosenberg, Gerd Böhner

Marshall B. Rosenberg entwickelte und setzte die GFK zunächst in den sechziger Jahren in Projekten ein, die der Mediation und der Vermittlung von Kommunikationsfähigkeiten dienten. 1984 gründete er das Center for Nonviolent Communication (CNVC). Diese gemeinnützige Organisation bietet Trainings weltweit an. Inwiefern die GFK auch in der verbalen Deeskalation von ProDeMa hilfreich eingesetzt werden kann, soll anhand von praktischen Übungen erarbeitet werden.

 

W 13 Umgang mit aggressiven, herausfordernden, bedrohlichen Verhaltensweisen von und zwischen Mitarbeitern, Ingrid Weilbacher

Im kollegialen Setting erfordern solche Verhaltensweisen von Mitarbeitern deeskalierende Gesprächstechniken und Strategien. Diese werden nach kurzem Theorieinput an konkreten Praxisbeispielen der Teilnehmer verdeutlicht und eingeübt.

 

W 14 „Zuerst hat mich die Motorsäge verletzt, danach........", Heiko Heller

Nach einem kurzen emotionalen Vortrag über einen authentischen Fall, in einer Notaufnahme, erhalten die Teilnehmer, durch die geschilderte Sichtweise des Patienten, die Möglichkeit verschiedene Chancen innerhalb eines Deeskalationsmanagement zu beleuchten. Dieser Workshop ist besonders an Mitarbeiter von somatischen Kliniken gerichtet. Die besondere methodische Vorgehensweise kann exemplarisch im Workshop erfahren werden, als Anregung für eigene Seminare.

W 15 (Achtung: nur 18.10.)
Umgang mit Re-Traumatisierung während ProDeMa® Schulungen,
Ralf Wesuls

Ausgelöst durch Theorieinhalte, verbale Deeskalation oder Körperinterventionstechniken können in Schulungen Erinnerungen wachgerufen werden an traumatisierende Ereignisse. Es werden Tipps und Anregungen gegeben wie mit solchen Re-Traumatisierungen während einer Schulung umgegangen werden kann.

 

W 16 Aggressionsverständnis und Aggressionsmanagement im Wandel – Entwicklungen in Europa, Gernot Walter

Das Verständnis von der Entstehung und dem Verlauf von aggressiven Verhaltensweisen und Aggressionszwischenfällen im Gesundheitswesen hat sich in den letzten Jahrzehnten deutlich gewandelt. Von der vorwiegend personenbezogenen Erklärung erfolgte eine Entwicklung hin zu einem multidimensionalen und multifaktoriellen Verständnis. Entsprechen haben sich auch die Bewältigungsstrategien gewandelt und weiterentwickelt, von vornehmlicher Kontrolle zu integrierten Ansätzen mir präventivem Schwerpunkt. Der Workshop gibt einen Überblick über diese Entwicklung und veranschaulicht diese anhand von internationalen
Beispielen aus Forschung und Praxis. In einer Übung wird die Anwendung eines multidimensionalen Erklärungsmodells inkl. Reflektionsbogens in Kleingruppen geübt und ausgewertet. Im Zentrum des WS stehen dabei gemeinsame Überlegungen, welche Ansätze und Strategien im eigenen Setting adaptiert werden könnten